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  • AutorenbildAnouk Algermissen

3 Tipps für eine bessere Streitkultur und konstruktive Diskussionen in der Beziehung

Auf der einen Seite kann Streit in einer Beziehung schnell zu emotionalen Verletzungen führen. Auf der anderen Seite müssen Meinungsverschiedenheiten geklärt werden, um weiterzukommen in der Partnerschaft. In diesem Artikel gebe ich drei Tipps, die euch befähigen sollen, eine konstruktive Streitkultur aufzubauen. So lernt ihr, eure Meinung zu kommunizieren, ohne euch gegenseitig emotional zu verletzen oder misszuverstehen.



Inhaltsverzeichnis


Was viele Menschen an Streits nicht verstehen


Streits, die nicht mehr konstruktiv sind und unsere Beziehungen angreifen, passieren dann, wenn man sich angegriffen fühlt und kein Verständnis mehr füreinander hat. Menschen, die einander verstehen und das Gefühl haben, die andere Person ist immer noch auf ihrer Seite, streiten nicht. Sie diskutieren. Die Momente, in denen es anfängt hässlich zu werden, sind die, in denen der Kontakt zueinander abreißt. Wir fühlen uns plötzlich missverstanden, nicht gehört oder zurückgewiesen.


Das bedeutet im Umkehrschluss: Um besser zu streiten bzw. zu diskutieren, müssen wir es schaffen, uns auch bei Meinungsverschiedenheiten immer noch halbwegs verbunden miteinander zu fühlen. Das muss nicht bedeuten, dass wir alles toll finden, was die andere Person sagt oder tut. Doch wir müssen das Gefühl haben, dass wir immer noch ein Team sind und das Beste füreinander wollen. Dieses Gefühl sollte unser Ziel sein.


Wir schauen uns jetzt drei paartherapeutisch erprobte Tipps an, die dieses Ziel leichter erreichen lassen.


Tipp 1: Die Wahrnehmung schärfen


Vor einigen Tagen saß ich in der Paartherapiepraxis vor einem Paar, das kurz davor war, sich zu streiten. Der Mann hatte sich festgebissen an einem Thema. Er sprach einfach immer weiter, ohne einen Blick zu seiner Freundin zu werfen. Während er sprach, beobachtete ich die Frau: Sie hatte die Arme vor der Brust verschränkt. Ihre Muskeln waren angespannt, ihr Blick ging ins Leere. Man sah ihr an, dass seine Worte überhaupt nicht bei ihr ankamen.

Als sie die Augen schloss und den Kopf in den Nacken legte, unterbrach ich ihn: “Schauen Sie mal rüber zu Ihrer Partnerin.” Er verstummte und hielt inne.

Hätte ich ihn nicht unterbrochen, wäre die Situation sicherlich in den nächsten Sekunden eskaliert. Leider sind wir häufig derart in unserem Modus gefangen, dass wir essentielle Warnsignale übersehen.


Unser Körper zeigt uns sehr gut, wann es zu viel wird. Wir bemerken das etwa anhand von:


  • Herzrasen

  • Druck auf der Brust

  • tiefem Ein- und Ausatmen

  • einem Kloß im Hals

  • allgemeiner Anspannung

  • schwitzigen Händen

  • oder daran, dass wir den anderen ausblenden


All dies signalisiert uns, dass unser Körper sich im Gefahrenmodus befindet. Und das wiederum bedeutet, dass wir sicher nicht das Gefühl haben, ein Team zu sein und das beste Interesse des anderen im Blick zu haben. Es bedeutet, dass man sich bereit macht für einen Kampf. Das sind die Situationen, in denen unsere Beziehung leidet.


Die Lösung


Damit das nicht passiert, müssen wir unsere Wahrnehmung für uns selbst und die andere Person schärfen. Das bedeutet, dass ich darauf achten muss, woran ich bei mir selbst und bei meinem Partner / meiner Partnerin erkenne, dass wir uns voneinander entfernen.


Stellt euch dafür folgende Fragen:


  • An welchen non-verbalen Signalen kann man von außen erkennen, dass wir nicht mehr aufnahmefähig sind?

  • Was können wir einander sagen, wenn das Stresslevel zu hoch wird?

  • Wie kann ich mich beruhigen, wenn ich Anspannung bei mir selbst bemerke bzw. was brauche ich dann von der anderen Person?


Wichtig hierbei ist, das Tempo rauszunehmen. Je schneller ein Gespräch wird, desto mehr distanzieren wir uns voneinander. Dann hören wir nicht mehr richtig zu, sondern reagieren nur noch.


Tipp


Wenn es dir schwer fällt, die nonverbalen Signale der anderen Person zu erkennen, frage zwischendurch immer wieder nach deren Befinden.


Zum Beispiel: “Auf einer Skala von 1-10, wie angespannt bist du gerade?”



Tipp 2: Sich an das Ziel erinnern


Als Paartherapeutin ist es möglich, die Dynamiken eines Paares von außen zu betrachten. Mit fällt dabei immer wieder auf, dass beide PartnerInnen häufig das gleiche wollen, aber es sich für beide so anfühlt, als seien sie meilenweit voneinander entfernt.


Ich erinnere mich noch sehr genau an ein Paar, das hiervon betroffen war. Beide wollten mehr Nähe in der Beziehung und machten einander Vorwürfe, nicht liebevoll genug zu sein. Sie wurden im Gespräch immer ungehaltener, bis ich sagte: “Fällt Ihnen auf, dass Sie beide eigentlich genau das gleiche Ziel haben? Sie beide möchten sich besser verstehen und eine Beziehung führen, in der sie sich wohlfühlen. Dennoch verhalten sie sich auf eine Weise, die garantiert, dass sie da nicht hinkommen werden. Ziemlich paradox, nicht wahr?”


Daraufhin wurden sie sehr still und dachten über meine Worte nach. “Sie haben recht", sagte die Frau. “Ich will eigentlich nur eine schöne Zeit mit meinem Mann.” Als sie zu ihm rüber schaute, sagte er: “Mir geht es ganz genauso.”


Dieser Moment half den beiden, sich klarzumachen, was gerade passiert war. Sie hatten sich von ihren Gefühlen übermannen lassen und das gemeinsame Ziel aus den Augen verloren.


Die Lösung


Streits tun deshalb so weh, weil wir uns da wie abgeschnitten von der anderen Person fühlen. Damit wir uns wieder aufeinander zubewegen können, müssen wir uns immer wieder klarmachen, wofür wir eigentlich kämpfen.


Fragt euch deshalb stets: Was ist eigentlich unser gemeinsames Ziel und fahren wir beide die richtige Strategie, um dahin zu kommen?




 

Du möchtest noch tiefer ins Thema eintauchen? Dann wird dir dieses Buch mit erprobten Strategien und interessanten Fallbeispielen weiterhelfen:


 


Tipp 3: Auf den Knirschmoment achten


Kennst du dieses Gefühl, die andere Person einfach nicht zu verstehen? Dass die Dinge, die gesagt werden, einfach keinen Sinn ergeben und es sich so anfühlt, als sei Sand im Getriebe?


Eine Klientin von mir hat das den “Knirschmoment” genannt. Also die Stelle in der Unterhaltung, an der es anfängt zu knirschen, man sich unwohl fühlt und der Gesprächsfluss gestört wird.


Dieser Moment ist deshalb so wichtig, weil das Gespräch ab hier anfängt zu kippen. Wenn wir jemanden nicht mehr verstehen, fühlen wir uns kaum noch verbunden. Wenn wir uns nicht mehr verbunden fühlen, verlieren wir unser Teamgefühl. Und sobald wir unser Teamgefühl verlieren, sind wir nur noch wenige Schritte von einem destruktiven Streit entfernt.


Wenn wir merken, dass es knirscht, müssen wir etwas verändern. Falls du vor einer Maschine stehen würdest, die plötzlich ganz unangenehm anfängt zu knirschen, würdest du wahrscheinlich auch alles tun, damit die Störung wieder behoben wird. Du würdest verschiedene Dinge ausprobieren, bis alles wieder flüssig läuft. Leider machen wir in Gesprächen häufig einfach so weiter und wundern uns dann, warum das Gespräch kurze Zeit später in die Luft geht.


Die Lösung


Anstatt dieses Gefühl zu übergehen, müssen wir es also ernst nehmen. Wenn wir etwas nicht verstehen, heißt es nachzufragen, bis wir es verstehen. Das Knirschen zeigt uns, dass uns wichtige Informationen fehlen. Diese müssen wir uns aktiv einholen, damit wieder Verständnis zwischen uns herrschen kann.


Denn (wir erinnern uns an den Anfang dieses Artikels): Menschen, die einander verstehen, streiten sich nicht. Sie diskutieren.

Deine Aufgabe


Such dir jetzt einen Tipp aus, mit dem du starten möchtest. Sprich mit deinem Partner / deiner Partnerin darüber, damit ihr beide im gleichen Boot seid und euch gegenseitig unterstützen könnt.


Erinnert euch immer wieder daran, diesen Tipp auszuprobieren. Wie bei so vielen Dingen, muss man auch hier ein wenig Geduld haben und es immer wieder üben.


Schreibe mir doch auf Instagram @paarpsychologie, wie es für dich lief oder welche Gedanken dieser Artikel in dir ausgelöst hat. Hier geht es nochmal zum oben erwähnten Buch, mit dem du weiterarbeiten kannst.



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