top of page
  • AutorenbildAnouk Algermissen

3 Schritte, um mit der psychischen Erkrankung des Partners / der Partnerin (zB Depression) umzugehen

Psychische Krankheiten sind verdammt belastend. Nicht nur für die betroffene Person, sondern auch für die Menschen in ihrem Umfeld kann der Umgang damit zu einer großen Herausforderung werden. Wenn du bei deinem Partner / deiner Partnerin oder bei anderen Menschen das Gefühl hast, dass sie mit psychischen Problemen zu kämpfen haben, aber du nicht genau weißt, wie du damit umgehen sollst, dann ist dieser Artikel für dich. Wir werden drei Schritte durchgehen, die dir helfen anderen Menschen zu helfen.




Inhaltsverzeichnis


Schritt 1: Anzeichen erkennen


Wichtig ist zunächst zu erkennen, ob jemand gefährdet ist. Jetzt gibt es natürlich für verschiedene Krankheiten verschiedene Symptome und Krankheitsbilder (schau dafür auch mal am Ende des Artikels bei den Ressourcen nach). Der einfachste Weg für einen Laien besteht darin, zu schauen, ob sich bei der Person etwas verändert hat oder ob immer wieder die gleichen Muster hochkommen, die zu Problemen führen.


Also so etwas wie:


Jemand verliert nach und nach all seine Interessen und kommt kaum noch aus dem Bett. Dir fällt auf, dass dieses Verhalten häufiger und länger vorkommt als früher. Das können Zeichen für eine Depression sein.


Hier sind einige Symptome, die Hinweise auf eine psychische Störung geben können:


  • sehr wenig / sehr viel Schlaf oder Schlafprobleme

  • geringe Motivation / Kraft

  • Impulsivität

  • ständige Gereiztheit

  • Rückzug aus Freundschaften / Familie / Hobbys etc.

  • anhaltende Traurigkeit

  • anhaltende Erschöpfung

  • starke Stimmungsschwankungen


Wichtig


Natürlich sind die meisten keine ÄrztInnen oder PsychologInnen. Niemand erwartet von dir, dass du Diagnosemanuale auswendig lernst. Informiere dich zu den Symptomen, soweit es für dich möglich ist. Auf der anderen Seite ist es auch wichtig, nicht mit vorschnellen Diagnosen um sich zu werfen. Dies kann schnell zu Druck oder Frust bei der betroffenen Person führen.


Deine wichtigsten Indikatoren sollten sein, ob du das Gefühl hast, dass der andere Mensch leidet oder sich nicht zu helfen weiß und ob sich etwas zum Negativen verändert hat.



Schritt 2: Helfen / Hilfe finden


Angenommen, du hast das Gefühl, dass es deinem Partner / deiner Partnerin nicht gut geht oder die betreffende Person hat dir mitgeteilt, dass sie unter einer psychischen Krankheit leidet. Was dann? Um jemandem gut helfen zu können, orientiere dich an diesen drei Punkten:


Punkt 1: ein offenes Gespräch suchen


Zunächst ist es wichtig, dass man offen über die Thematik spricht. Wenn du das Thema ansprichst, kannst du das Gespräch einleiten, indem du z.B. Folgendes sagst:


“Ich hatte die letzten Wochen das Gefühl, dass es dir nicht so gut ging. Ich habe mir natürlich Gedanken gemacht und wollte dich fragen, ob wir mal darüber sprechen können.”


In diesem Gespräch solltet ihr klären:


  • wie es der Person geht

  • ob sie / er Hilfe möchte

  • was die Person gerade braucht

  • wie man am besten akut unterstützen / helfen kann


Hier noch ein paar Dos und Don’ts für die Gespräche:


Do:


  • unterstützend und liebevoll sein

  • Mitgefühl und Empathie zeigen

  • klar machen, dass man auf der Seite der Person ist

  • aufmerksam zuhören



Don’t:

  • der Person ganz viele Tipps aufdrängen

  • die Person unter Druck setzen

  • die Probleme kleinreden, um sie “erträglicher” zu machen

  • 0815-Ratschläge geben


Punkt 2: einen Plan machen


Nachdem man sich Zeit genommen hat, um die andere Person wirklich zu verstehen, können wir jetzt versuchen, einen gemeinsamen Plan auf die Beine zu stellen.


Wichtig


Die Reihenfolge dieser Punkte ist zu beachten! Viele wollen direkt mit dem Plan starten, weil wir die Situation dann besser ertragen können, wenn wir das Gefühl haben, direkt etwas zu verändern. Doch das führt zu Problemen. Denn solange unser Partner / unsere Partnerin nicht wirklich das Gefühl hat, gehört und verstanden zu werden, kann sich ein Plan ganz schnell falsch oder sogar erdrückend anfühlen. Und damit wäre niemandem geholfen.

Wenn ihr zusammen einen Plan entwickelt, sollte dieser immer an die Bedürfnisse der erkrankten Person angepasst sein. Das kann für eine Person bedeuten, dass sie sich einfach mehr Unterstützung im Haushalt wünscht und für jemand anderen, dass man so schnell wie möglich eine Therapeutin ausfindig macht.


Psychotherapie ist jedoch in den meisten Fällen so oder so eine sinnvolle erste Wahl.

Tipp


Als Vorbereitung für die Therapie könnt ihr gemeinsam eine Liste an Symptomen aufstellen, um diese mit dem Therapeuten / der Therapeutin zu besprechen.


Das können Dinge sein, wie:


  • wenn ich einkaufen gehen will, fängt mein Herz an, wie wild zu pochen

  • es fällt mir schwer, Freundschaften aufrecht zu erhalten

  • morgens komme ich kaum aus dem Bett


Was soll ich machen, wenn die Person sich keiner Therapie unterziehen will?


Natürlich kann es sein, dass jemand ablehnend einer Therapie gegenübersteht. Wenn du merkst, dass die Person nicht die Mittel hat, um selbst mit den Problemen fertig zu werden, sollte man hier dennoch nachhaken.


Dabei gilt es die Balance zwischen Direktheit und Verständnis zu wahren. Das bedeutet: Du solltest der Person deutlich machen, dass Therapie wichtig ist, aber auch Verständnis für ihre Bedenken und Einwände zeigen.

Dafür müssen wir erst einmal wissen, warum die Person keine Therapie möchte.


Häufige Gründe sind:


  • Überforderung bei der Suche nach einem / einer geeigneten Therapeuten /Therapeutin

    • Lösung: Unterstützung anbieten

  • Kein Vertrauen zu TherapeutInnen aufgrund von schlechten Erfahrungen

    • Lösung: Argumentieren, dass man TherapeutInnen wechseln und selbst entscheiden kann, mit wem man arbeiten will

  • Angst “nicht krank genug” oder “falsch” zu sein

    • Lösung: darüber reden und Mut zusprechen


In der Praxis kann sich das z.B. so anhören:


Ich denke, es ist wichtig, dass du mit jemandem Professionellen sprichst. Das geht jetzt schon eine ganze Weile so und ich sehe, dass es dir damit nicht gut geht. Wenn du eine Wunde am Bein hättest, würdest du die doch auch sicher behandeln lassen. Wenn dich das gerade zu sehr belastet, dort anzurufen, kann ich das gerne für dich übernehmen. Oder gibt es etwas anderes, was dich gerade daran hindert?


So hat man klargemacht, wie ernst die Situation ist und einen Raum geöffnet, in dem die Person ihre Bedenken oder Probleme äußern und man gemeinsam eine Lösung finden kann.


Punkt 3: auf sich selbst achten


Als PartnerIn oder angehörige Person kann sich der Umgang mit psychischen Krankheiten zeitweise überfordernd oder schwierig anfühlen. Deshalb ist es wichtig, dass man auf sich selbst und seine eigenen Ressourcen achtet. Denn nur, wenn es einem selbst halbwegs gut geht, kann man sich auch gut um andere Menschen kümmern.


Diese Dinge, können schnell problematisch werden:


  1. Das Bedürfnis, die Krankheit beim anderen “wegzumachen”

  2. Die Vorstellung, dass jemand geheilt wird, wenn wir die Person nur genug lieben

  3. Die Schuld für die Krankheit bei sich zu suchen

  4. Sich selbst komplett zu vernachlässigen / hintanzustellen, weil es dem / der anderen schlecht geht


Achte auf diese Fallen und hole dir im Zweifel selbst Unterstützung, wenn du merkst, dass es dir nicht gut geht.


Schritt 3: Einen gemeinsamen Umgang finden


Nachdem man offen gesprochen und sich Hilfe gesucht hat, ist es nun wichtig, als Team einen langfristigen Umgang mit der Krankheit zu finden.


Denn leider können sich psychische Erkrankungen über längere Zeitabschnitte hinziehen oder auch immer wieder hochkommen.


Diese sechs Dinge können helfen:


  1. Eine Liste an Frühwarnzeichen / Anzeichen für Verschlimmerungen erstellen und gemeinsam darauf achten, ob diese auftreten.

  2. Den Therapieprozess unterstützen, indem man sich immer wieder darüber austauscht und geduldig bleibt.

  3. Nach Möglichkeiten suchen, Stress im Alltag zu reduzieren.

  4. Immer wieder Unterstützung und ein offenes Ohr anbieten.

  5. Die eigenen Erwartungen an den Heilungsprozess im Auge behalten und sich nicht von Rückschlägen entmutigen lassen, denn diese gehören für viele dazu.

  6. Gemeinsame Aktivitäten, die positive Gefühle auslösen und Struktur in den Alltag bringen.


Besonders wichtig ist, dass ihr einander die Möglichkeit gebt, über eure Gefühle und Erlebnisse zu sprechen. Auch als unterstützende Person hat man ein Recht darauf, darüber zu sprechen, dass es manchmal hart ist.


Psychische Krankheiten wie z.B. Depressionen haben leider auch häufig Auswirkungen auf die Partnerschaft. Wenn ihr bei dem Prozess Unterstützung wünscht, dann schreibt mir gerne eine Mail an kontakt@paartherapiebonn.com. Ich biete online und vor Ort in Bonn Paartherapie und Beratung an, die euch dabei helfen, die Herausforderungen als Paar zu meistern.


Ressourcen



Informationen zu psychischen Krankheiten:


Wie bekommt man einen Therapieplatz: https://hellobetter.de/blog/psychotherapieplatz-finden/


Telefonische, kostenlose Beratung für Angehörige: https://www.bapk.de/angebote/seelefon.html








Comments


  • Spotify
  • Instagram
  • TikTok
bottom of page